Die «Trinkwasser-Initiative» gefährdet die einheimische landwirtschaftliche Produktion

Kaum ein Landwirt in der Schweiz, gleich ob konventionell, IP, oder Bio, kommt völlig ohne Pflanzenschutzmittel aus. Die realitätsfernen Initianten der «Trinkwasser-Initiative» wollen diesen Bauern die Subventionen streichen. Das würde vielen finanziell das Genick brechen.
Die im Januar 2018 eingerichtete Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» möchte mit verschiedenen Ansätzen eine naturnahe Landwirtschaft, gesündere Lebensmittel und sauberes Trinkwasser fördern. Die Ziele sind nachvollziehbar, die vorgeschlagenen Massnahmen zielen jedoch entweder weit daran vorbei oder sogar ganz daneben.
Dass die geforderten Einschränkungen für den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung in der Praxis bereits weitgehend umgesetzt sind und daher kaum konkrete Auswirkungen hätten, war den Initianten offenbar nicht bewusst. Problematischer ist die Forderung, dass auf dem Hof ausschliesslich selbst produziertes Futter verwertet werden darf. Das schliesst auch die sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Nachbarn bei dem Anbau von Futterpflanzen und die Verwertung von Nebenprodukten der Lebensmittel-Produktion (z. B. Ölkuchen, Zuckerrüben-Schnitzel) als Futtermittel aus, und fördert so die Vergeudung von Lebensmitteln.
Besonders problematisch jedoch ist das Bestreben, den Einsatz aller hochwirksamen Pflanzenschutzmittel («Pestizide») zu unterbinden. Dazu gehören auch in der Bio-Landwirtschaft verwendete Produkte wie Kupfer-Präparate, für die trotz langjähriger intensiver Forschungs-Bemühungen immer noch keine Alternativen gefunden wurden. Damit trifft die Initiative alle Bereiche der Landwirtschaft, was den Initianten bei der Formulierung des Initiativtextes offenbar nicht bewusst war und an deren Sachverstand zweifeln lässt. Politisches Geschick jedoch haben sie: bewusst fordert die Volksinitiative keine Verbote, sondern will den Landwirten, die sich nicht an die Auflagen halten, „nur“ die Direktzahlungen streichen. Dabei stellen diese jedoch mit einem Gesamtbetrag von 2,8 Milliarden Franken jährlich für viele landwirtschaftliche Betriebe einen wesentlichen Anteil des Betriebseinkommens dar, ein Verzicht darauf wäre wirtschaftlich nicht tragbar.
Am Tag der Initiativ-Einreichung, dem 18.01.2018, reagierten sowohl der Schweizer Bauernverband als auch die in der Gruppe Agrar zusammengefassten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln mit Medienmitteilungen. Sie wiesen darauf hin, dass die «Trinkwasser-Initiative» die produzierende, einheimische Landwirtschaft massiv beeinträchtigen würde. Um den Lebensmittel-Bedarf in der Schweiz weiterhin zu decken, müssten die Importe aus dem Ausland deutlich gesteigert werden. Zudem sie die Trinkwasserqualität in der Schweiz, auch im internationalen Vergleich, hervorragend.
Im März 2018 hat der Schweizer Bauernverband ein ausführliches Argumentarium gegen die «Trinkwasser-Initiative» vorgelegt, in dem die zahlreichen problematischen Auswirkungen einer Annahme der Initative detailliert analysiert werden. Ein vollständiger Verzicht auf Pflanzenschutzmittel würde zu Mindererträgen von 20% – 40% beim Pflanzenbau führen, und so Preissteigerungen und steigende Importe bewirken. Von der Initiative seien extensiv wirtschaftende Kleinbetriebe besonders betroffen, die existentiell auf Direktzahlungen angewiesen sind. Mehrere laufende Initiativen, wie der «Aktionsplan Pflanzenschutz», greifen wichtige Anliegen der Initianten bereits jetzt auf. Insgesamt stuft der Schweizer Bauernverband die «Trinkwasser Initiative» als gefährliches agrarpolitisches Experiment ein.
Weitere Informationen
- Website der Trinkwasser-Initiative: www.initiative-sauberes-trinkwasser.ch
- Ja zu sauberem Trinkwasser, nein zur Initiative, Medienmitteilung Schweizer Bauernverband, 18.01.2018
- «Trinkwasser-Initiative» führt zu höheren Importen von Lebensmitteln, Medienmitteilung scienceindustries Gruppe Agrar, 18.01.2018
- Argumentarium zur Trinkwasser-Initiative, Schweizer Bauernverband, März 2018