Winter 2015-16: erneut nur geringe Verluste bei Honigbienen

Die Winterverluste bei den Honigbienen in der Schweiz und in Liechtenstein im vergangenen Winter lagen erneut unter 20%, wie schon in den letzten drei Jahren.  Eine Umfrage des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde VDRB  bei über 1000 Imkern aus der gesamten Schweiz und aus dem Fürstentum Liechtenstein zeigt, dass nur rund 10% der Bienenvölker den Winter nicht überlebt haben. Fast die Hälfte aller Imker waren überhaupt nicht von Winterverlusten betroffen. Die wichtigste Ursache der Winterverluste ist laut Angaben der Imker die Varroa-Milbe. Offenbar haben die Bienenhalter in den vergangenen Jahren immer mehr Erfahrung mit der Vorbeugung und der Bekämpfung des gefährlichen Parasiten gewonnen.

Im Winter 2011/2012 waren noch über 1/4 aller Völker eingegangen, auch in den Jahren davor waren teilweise sehr hohe Verluste zu beklagen. Umwelt-Organisationen warnten daraufhin vor einem drohenden Zusammenbruch des Ökosystems mit gefährlichen Auswirkungen auch für die menschliche Ernährung. Als einen zentralen Auslöser des Bienensterbens orteten sie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, vor allem aus der Wirkstoff-Gruppe der Neonicotinoide. Mit einer massiven Kampagne erreichten sie  Anwendungsverbote für die Saatgutbeizung von Mais und Raps mit Neonicotinoiden, die einen hochwirksamen Schutz der Jungpflanzen vor Schadinsekten ermöglicht, ab Dezember 2013 in der Schweiz und in der EU.

Winterverluste_2007-2016

Winterverluste bei Bienenvölkern in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein (Daten: VDRB). Einschränkungen bei der Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden (NN) bei Raps und Mais wurden ab Dezember 2013 verfügt, nach dem Einwintern der Bienenvölker, und haben daher keine Auswirkung auf den Winter 2013/14.

Diese Einschränkungen hatten erhebliche nachteilige Auswirkungen für die Landwirtschaft und führten zu grossen Verlusten z. B. beim Rapsanbau, der Einsatz herkömmlicher Insektizide musste teilweise massiv erhöht werden. Ein Vergleich der Winterverluste der letzten Jahre bei Honigbienen lässt jedoch keinen Einfluss des Neonicotinoid-Verbots erkennen: diese lagen auch in den Wintern 2012/2013 und 2013/2014, bevor das Neonicotinoid-Verbot wirksam wurde, bereits deutlich unter 20%, seither gab es bis auf die üblichen klimabedingten Schwankungen keine wesentlichen Veränderungen des Trends (siehe Grafik).

In Feld-Studien konnten bisher keine nachteiligen Auswirkungen der Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden unter üblichen landwirtschaftlichen Bedingungen auf das Wohlergehen von Bienenvölkern belegt werden. Auch im Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel ist die Bienengesundheit ein entscheidendes Kriterium. Gegenwärtig laufen daher intensive Diskussionen, ob ein einseitiges Neonicotinoid-Verbot tatsächlich den Bienen nützt, oder ob nicht ganzheitliche Ansätze einen nachhaltigeren Beitrag zur Verbesserung der Bienengesundheit leisten.

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