Sturm im Most-Glas: Greenpeace entdeckt Pflanzenschutzmittel-Einsatz im Obstbau

Pflanzenschutzmittel leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Obstkulturen gegen Schädlinge und Pflanzenkrankheiten. Sie unterstützen so eine nachhaltige, lokale Obstproduktion zu Kosten, die sich auch Familien leisten können. Ein Verzicht auf moderne Pflanzenschutzmittel, wie er in der Bio-Landwirtschaft vorgeschrieben ist, hat seinen Preis: die Erntemenge bei Bio-Äpfeln fällt um durchschnittlich 40% – 45% niedriger aus als bei der integrierten Produktion. Jährlich bestehen grosse Qualitäts- und Mengenschwankungen und erhebliche Ertragsrisiken durch Krankheiten und Schädlinge, die mit dem beschränkten Bio-Arsenal nur schwer zu kontrollieren sind. Um diese Produktions-Nachteile auszugleichen, müssen die Preise für Bio-Äpfel deutlich höherliegen, sie betragen je nach Sorte bis zum Doppelten.

Es ist daher kaum verwunderlich, dass weniger als 10% der Obstbaufläche der Schweiz nach Bio-Richtlinien bewirtschaftet werden. Der Grossteil der Obstproduktion in der Schweiz erfolgt nach den Regeln der integrierten Produktion. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist dabei nach dem Motto «so wenig wie möglich, so viel wie nötig» gestattet. Und wo Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, lassen sich diese mit den heute verfügbaren hochempfindlichen Messmethoden auch nachweisen.

Diese Selbstverständlichkeit wird jetzt aber als Anlass für eine massive Kampagne gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verwendet. Mit dem in mehreren Ländern lancierten Bericht «Der bittere Beigeschmack der europäischen Apfelproduktion» versucht die Umweltorganisation Greenpeace gegenwärtig, die Bevölkerung Europas zu verunsichern. In 12 Ländern, auch der Schweiz, wurden Boden- und Wasserproben aus Apfelplantagen untersucht. Dabei liessen sich in fast drei Viertel der 85 untersuchten Proben Spuren von einem oder mehreren Pflanzenschutzmitteln nachweisen. In keiner Probe aus der Schweiz und nur in einer einzigen Probe aus dem Ausland wurde dabei aber ein akuter Umwelt-Grenzwert überschritten. Hinweise für Umweltbeeinträchtigungen oder Gefahren gibt es bei den in fast allen Proben gefundenen sehr geringen Konzentrationen nicht, laut Experten sind auch nachteilige Auswirkungen auf Bodenlebewesen wie Regenwürmer nicht zu erwarten. Für Konsumenten sind die Resultate nur indirekt von Bedeutung, da in dieser Untersuchung keine Analysen bei Lebensmitteln durchgeführt wurden. Bei den regelmässigen amtlichen Kontrollen werden bei europäischen Äpfeln nur sehr selten Überschreitungen der zulässigen Höchstmengen für Rückstände gefunden.

Trotz dieser an sich wenig dramatischen Erkenntnisse versucht Greenpeace mit dem neuen Bericht, Stimmung für ihre politischen Ziele zu machen. Schon allein die Nachweisbarkeit winzigster Spuren von Pflanzenschutzmitteln wird dabei zur potentiellen Gefahr hochstilisiert. Als Lösung aus Sicht von Greenpeace wird ein Totalverbot moderner, als «chemisch-synthetisch» verteufelter Pflanzenschutzmittel und eine flächendeckende Bio-Landwirtschaft angestrebt – koste es für die Konsumenten, was es wolle. Offen bleibt, wie der Ertragsrückgang bei einem Verzicht auf modernen Pflanzenschutz ausgeglichen werden soll. Weiter steigende Importe aus dem Ausland können hier wohl kaum eine nachhaltige Lösung darstellen.

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