Neonicotinoid-Verbot geht nach hinten los: starke Zunahme des Insektizideinsatzes in Deutschland und Grossbritannien

Seit 2014 steht den Landwirten kein mit Neonicotinoiden gegen Schädlingsbefall gebeiztes Raps-Saatgut mehr zur Verfügung, da dessen Verwendung in der Schweiz und in der EU sistiert wurde. Um den Schädlingsbefall einigermassen unter Kontrolle zu halten, müssen Landwirte vielerorts auf ältere und weniger wirksame Pflanzenschutzmittel zurückgreifen.

Im Herbst wird der Winterraps ausgesät. Die jungen Pflänzchen sind ein willkommenes Fressen für verschiedene schädliche Insekten, wie den Rapserdfloh, den Rapsglanzkäfer und die kleine Kohlfliege. In den vergangenen Jahren konnten Raps-Kulturen durch Beizung des Saatguts mit hochwirksamen Insektiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide dagegen geschützt werden. Aus Sorge um die Gesundheit der Honigbienen wurde die Bewilligung hierfür allerdings im Dezember 2013 vorbeugend sistiert, obwohl kein schlüssiger Nachweis für eine Schädlichkeit vorschriftsgemäss angewendeter Beizmittel unter Praxisbedingungen vorlag. Dies stellt Landwirte in verschiedenen Regionen vor massive Probleme. Speziell aus Grossbritannien und Deutschland meldeten Bauern bereits im Herbst 2014 grosse Schäden an den auflaufenden Kulturen, ein Teil der Felder waren so stark befallen dass die jungen Rapspflänzchen untergepflügt werden mussten.

Eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Kleffmann Group belegt jetzt das Ausmass der Schäden – und zeigt, wie die Landwirte darauf reagieren. Im Herbst 2014 wurden 1.144 deutsche und 401 britische Landwirte zu ihrem Rapsanbau befragt. In Großbritannien stellten die Rapsanbauer auf 57 Prozent der Fläche einen Befall mit dem Rapserdfloh fest, die deutschen auf 90 Prozent der Fläche – für etwa 30% der deutschen Anbauflächen wurde ein starker Befall gemeldet. Um Ernteschäden zu vermeiden, haben Landwirte deutlich mehr Insektizide eingesetzt: in Grossbritannien etwa doppelt, in Deutschland sogar vier mal mehr als im Vorjahr.

Es zeigen sich daher deutliche Auswirkungen des Verbots der neonikotinoiden Beizen sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland. Nicht nur der Rapserdfloh, sondern auch andere Schädlinge wie die kleine Kohlfliege, richten enorme Schäden in den Rapsbeständen an. Teilweise wird sogar von Totalschäden berichtet. In einigen Regionen Großbritanniens war der Befall so schlimm, dass eine Sonderzulassung für neonikotinoide Spritzmittel erteilt wurde. Ob die angestrebten Umweltverbesserungen durch das Verbot der neonikotinoiden Beize überhaupt herbeigeführt werden können ist fraglich, da der Einsatz anderer Insektizide seit dem Verbot stark angestiegen ist.

Quellen:

 

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