Weniger Pflanzenschutzmittel in Gewässer: Massnahmen gegen Abschwemmung

Starke Abschwemmung durch Niederschlag (Bild: TOPPS / Manfred Roettele)

Wenn bei starkem Regen der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen kann, können Ackererde und auch Pflanzenschutzmittel in Gewässer abgeschwemmt werden. Verschiedene Massnahmen ermöglichen es, Abschwemmung und Erosion deutlich zu reduzieren. So kann wertvoller Ackerboden erhalten werden, und der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln von dem Feld in Gewässer wird minimiert.

Wenn der Boden zu wenig durchlässig ist, staut sich Niederschlags-Wasser (Bild: TOPPS / Manfred Röttele)

Gewitter und Starkregen gehören zum Wetter und sind unvermeidbar. In der Landwirtschaft können sie grosse Probleme verursachen. Neben den Schäden an den Kulturen kann das über die Oberfläche abfliessende Wasser auch Boden mitreissen und so vom Feld abtragen. Auch Pflanzenschutzmittel, die zuvor auf dem Feld ausgebracht wurden, können abgeschwemmt werden und so in Gewässer gelangen. Vor allem in kleinen Gewässern kann es so bei ungünstigen Bedingungen zu einer Überschreitung der für Wasserorganismen unschädlichen Konzentrationen kommen.

Für einen Schutz der Oberflächen-Gewässer sind daher Massnahmen erforderlich, welche eine Abschwemmung von Pflanzenschutzmitteln verringern. Dazu gehört, die Versickerung von Niederschlägen im Boden zu erleichtern, zum Beispiel durch eine geeignete Oberflächenbearbeitung oder die Vermeidung von Boden-Verdichtung. Auch gilt es, vor allem in Hanglagen, das Wasser auf der Oberfläche zurückzuhalten, und zu verhindern dass es sich in Bewegung setzt und so in das nächste Gewässer gelangt. Das kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass die Furchen beim Pflügen nicht in Richtung des Gefälles verlaufen, so das Wasser sammeln und zu kleinen Bächen werden.

Im Gefälle kann das abfliessende Wasser Boden und Pflanzenschutzmittel mitreissen (Bild: TOPPS / Manfred Röttele)

Die erforderlichen Massnahmen zur Vermeidung von Abschwemmung hängen stark von der Bodenstruktur, der Topographie, den Kulturen und vom Klima am jeweiligen Standort ab. Daher steht eine gründliche Situationsanalyse am Anfang, bevor aus dem Katalog möglicher Massnahmen die für ein Feld am besten geeigneten ausgewählt werden. Im Rahmen des TOPPS-Projekts hat die europäische Pflanzenschutz-Industrie in enger Zusammenarbeit mit Forschern und Praktikern aus der Landwirtschaft schon vor einigen Jahren Empfehlungen für die gute fachliche Praxis zur Verringerung der Gewässerbelastung mit Pflanzenschutzmitteln durch runoff und Erosion entwickelt, und eine grosse Zahl von Landwirten und Beratern darin ausgebildet (siehe auch TOPPS Empfehlungen zur Vermeidung von Abdrift).

Eine aktuelle Veröffentlichung aus der Schweiz von Forschern von Agroscope, der VSA-Plattform Wasserqualität und der Eawag vom Februar 2018 gibt einen guten Überblick zum Stand des Wissens über Erosion und Abschwemmung und zu den verschiedenen Massnahmen mit einem Fokus auf ihre Anwendbarkeit in der Schweizer Landwirtschaft. Dazu wurde ein ganzer Katalog an möglichen Massnahmen durch Experten auf ihre Wirksamkeit, die Praxistauglichkeit, den Wissensstand und die Akzeptanz bei Landwirten beurteilt. Eine wichtige Schlussfolgerung ist, dass es ein ganzes Bündel an Massnahmen zur Verringerung von Erosion und Abschwemmung mit erwiesener Wirksamkeit gibt. Allerdings ist deren Wirksamkeit stark von den Standortfaktoren abhängig, und erfordert eine gründliche Beurteilung auf Ebene der einzelnen Parzelle.

Aufbauend auf dem aktuellen Stand des Wissens hat das Bundesamt für Landwirtschaft BLW im Februar 2018, im Rahmen des Aktionsplans zur Risikoreduktion von Pflanzenschutzmitteln, strengere Anwendungs-Vorschriften für Pflanzenschutz-Produkte, für welche die direkte Abschwemmung ein Risiko darstellt, verfügt. Diese betreffen Parzellen, die weniger als 100 m von einem Gewässer entfernt sind und eine Hangneigung von >2% besitzen. Der Landwirt kann aus verschiedenen aufgeführten Massnahmen die Geeigneten auswählen, um die geforderte Risikoreduktion zu erreichen. Damit lässt sich das Risiko für Gewässerorganismen stark reduzieren, ohne die landwirtschaftliche Produktion unnötig einzuschränken.

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