Die Landwirtschaft nützt den Bienen

Sind unberührte Naturräume das ideale Lebensumfeld für Honigbienen? Eine neue Studie zeigt, dass es ihnen in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden besser geht, auch wenn dort Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Wenn es um das Thema Bienengesundheit geht, wird oft die moderne Landwirtschaft kritisiert – auch wegen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Einigkeit besteht dabei, dass Bienen im Naturhaushalt eine wertvolle Rolle spielen. Sie üben wichtige ökologische Funktionen aus, und haben zugleich als Bestäuber und Honig-Lieferanten auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Auf der anderen Seite setzen Landwirte kontrolliert Pflanzenschutzmittel ein, um ihre Kulturen zu schützen und Erträge zu sichern. Manche dieser Mittel können, speziell bei unsachgemässer Anwendung, die Gesundheit von Bienen beeinträchtigen. Stellt die Landwirtschaft also eine Bedrohung für die Honigbienen dar?

Ein Forscherteam von verschiedenen US-Universitäten sowie vom US-Landwirtschaftsministerium hat in einer aktuellen Studie das Wohlergehen von Bienen in unterschiedlichen Umgebungen verglichen. Sie platzierten im US Bundesstaat Tennessee je vier Bienenstöcke an vier ganz unterschiedlichen Standorten. Am Rand der Kleinstadt Jackson war fast die Hälfte der Flächen in der näheren Umgebung (2.5 km) durch Besiedlung geprägt, der Anteil von Landwirtschaftsfläche betrug nur 19%. Zwei ländliche Gebiete zeichneten sich durch mässige bzw. intensive landwirtschaftliche Nutzung aus (55% oder 71% der Fläche), mit entsprechend weniger Siedlungsaktivität.

Fast ohne landwirtschaftliche Nutzfläche (nur 5% Anteil) war ein Standort in dem geschützten Chickasaw State Park. Im Gegensatz zu den drei anderen Standorten, wo in der Umgebung der Bienenstöcke die üblichen Pflanzenschutzmittel (Insektizide, Fungizide, Herbizide) auf den Landwirtschafts-Flächen eingesetzt wurden, kamen die Bienen im Park kaum mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt.

Die Forscher verfolgten über ein Jahr hinweg die Entwicklung der Völker und ihren Bruterfolg. Je grösser der Anteil der Landwirtschaftsfläche in der Umgebung war, desto schneller nahmen die Bienenkolonien an Gewicht zu. An dem intensiv landwirtschaftlich genutzten Standort legte das Gewicht der Kolonien besonders rasch zu und erreichte einen fast doppelt so hohen Wert wie das der Kolonien vom Stadtrand oder aus dem Park. Die Forscher erklären dies mit dem besonders guten Nährstoffangebot für die Bienen auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Trotz routinemässigem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln fanden sie in den Landwirtschafts-Gebieten bessere Lebensbedingungen vor als in dem geschützten Park, der nur ein eingeschränktes Nahrungsangebot hatte. Auch der Bruterfolg im Park war gering, deutlich besser war er in den stärker landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Am Stadtrand produzierten die Bienen die meisten Nachkommen – das kann damit zusammenhängen, dass hier das Nahrungsangebot zwar nicht reichlich, aber durch vielfältige Bepflanzung der Gärten sehr abwechslungsreich war.

Die Forscher schliessen, dass – trotz des Risikos, dort mit geringen Mengen von Pflanzenschutzmitteln in Kontakt zu kommen – landwirtschaftlich genutzte Gebiete ein reichhaltiges Nahrungsangebot und so eine gute Lebensgrundlage für Honigbienen bieten. So können Bienen von der Landwirtschaft profitieren – und umgekehrt auch die Landwirtschaft von der Bestäubungsleistung der Bienen. Ein sorgfältiger und sparsamer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln nützt sowohl der Landwirtschaft als auch den Bienen.

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