Innovationen im Pflanzenschutz: Wirkstoff- Entwicklung wird immer aufwändiger und teurer

Bis ein neues Pflanzenschutzmittel  den Markt erreicht, investieren Unternehmen  im Durchschnitt 286 Millionen US$. Die Anforderungen für die Produkt-Zulassung steigen auch aufgrund immer strengerer Umwelt-Auflagen.

Eine neue Studie, basierend auf den Zahlen der sechs führenden Pflanzenschutz-Unternehmen BASF, Bayer, Dow, DuPont und Syngenta, gibt einen Einblick in den enormen Aufwand, der erforderlich ist um einen neuen Wirkstoff auf dem Markt zu bringen. Die Kosten umfassen die Arbeiten um eine neue aktive Substanz zu identifizieren, sie für die Anwendung zu optimieren, alle für die Zulassung erforderlichen Daten zu sammeln, und sie schliesslich erfolgreich durch das Zulassungs-Verfahren zu begleiten. Die Studie wurde von dem Beratungs-Unternehmens Phillips McDougall im Auftrag der Verbände CropLife und ECPA erstellt, und vergleicht die Entwicklung über zwei Jahrzehnte.

In dem  Zeitraum von 1995-2010/14 sind die durchschnittlichen Gesamt- Kosten um 88% gestiegen; von 152 Mio. US$ auf 286 Mio. US$ pro Wirkstoff. Etwa ein Drittel der Kosten entfällt auf die Forschungsphase. Dabei wird es immer aufwändiger, viel versprechende Kandidaten als Basis für ein neues Produkt zu identifizieren. Während 1995 durchschnittlich 52’500 Substanzen getestet wurden um schliesslich einen neuen, zugelassenen Wirkstoff zu entwickeln, mussten 2010/14 dafür bereits 159’754 Substanzen geprüft werden. In der Forschungs-Phase müssen nicht nur Informationen zur potentiellen Wirksamkeit einer Substanz, sondern auch zu ihrer Umweltverträglichkeit und zu gesundheitlichen Auswirkungen gesammelt werden, um die Entscheidung für die teure Weiterentwicklung zu einem Pflanzenschutzmittel zu fällen.

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In der Entwicklungs-Phase werden der Kandidaten –Wirkstoff und die Rezeptur weiter verbessert, umfangreiche toxikologische Abklärungen vorgenommen, und das chemische Verhalten des Wirkstoffes im der Umwelt incl. seines Abbaus untersucht. Den grössten einzelnen Kostenblock in der Entwicklungsphase, mit einem durchschnittlichem Aufwand von 47 Mio. US$, stellen Feldversuche dar. Diese dienen nicht nur dazu, die Wirksamkeit des Produktes zu optimieren, sondern auch dazu, viele der für die Registrierung erforderlichen Umwelt-Daten zu gewinnen. Für die Zulassung selber fallen dann noch einmal Kosten von durchschnittlich 47 Mio. US$ an (+254% seit 1995), zum grössten Teil für die Vorbereitung des umfangreichen Registrierungs-Dossiers für die Zulassungs-Behörden.

Auch aufgrund der ständig strenger werdenden Zulassungs- Anforderungen, speziell im Bereich Umwelt-Verträglichkeit,  ist die Zeitdauer von der ersten Synthese eines neuen Wirkstoffs bis zu seiner Markteinführung von 8.3 Jahren (1995) auf mittlerweile 11.3 Jahre (2010/14) gestiegen. Zugleich nimmt die Anzahl der jährlich neu am Markt eingeführten innovativen Wirkstoffe ab, seit 2008 fanden so weniger als 10 neue Substanzen pro Jahr ihren Weg auf die Felder der Landwirte. Aufgrund der langen Entwicklungsdauer und der grossen damit verknüpften Investitionen sind verlässliche und vorhersehbare regulatorische Rahmenbedingungen von grosser Bedeutung für die Unternehmen. Die Herausforderung, für die Landwirte eine ausreichend breite Wirkstoff-Palette für einen wirksamen und umweltverträglichen Pflanzenschutz bereitzustellen, wächst.

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