Forschung: alternative Behandlungskonzepte gegen Pflanzenschädlinge aus dem Boden

Mikroskopische Aufnahme des Schadpilzes Chalara elegans auf einer Wurzel von Nüssli-Salat. Dieser Erreger kann bei vielen Gemüsearten grosse Schäden verursachen. (Foto: Agroscope)

Pilzbefall bringt Blätter zum Absterben, Bakterien rufen Pflanzenkrankheiten hervor, Schnecken fallen über junge Setzlinge her: im Boden lauern zahlreiche Gefahren für Nutzpflanzen. Es wird intensiv an Methoden geforscht, um Pflanzen besser davor zu schützen.

Besonders im Gemüsebau spielt die Vorbeugung und Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten aus dem Boden eine wichtige Rolle. Auf nur rund 1% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz werden hier etwa 14% der landwirtschaftlichen Wertschöpfung erzielt, Schäden an der Ernte fallen daher besonders ins Gewicht.

Am Standort Wädenswil der Forschungsanstalt Agroscope unterstützt ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Landwirte mit praxisorientierten Lösungen für den Gemüsebau. Dabei werden auch Konzepte entwickelt, wie sich Schadorganismen durch eine Kombination von Massnahmen eindämmen lassen.

So können gewisse Pilze oder Bakterien im Boden als Gegenspieler (Antagonisten) krankheitsauslösende Pilze direkt bekämpfen. Das Vorkommen der nützlichen Antagonisten kann durch organische Dünger mit Zellulose oder Chitin gefördert werden. Zusätzlich können Antagonisten auch gezüchtet und in den Boden eingebracht werden. Geeignete Anbauverfahren, z. B. durch bessere Durchlüftung, beeinflussen die Balance im Boden zwischen Schädlingen und Nützlingen positiv. Nicht vergessen werden dürfen auch Hygienemassnahmen, die eine Verschleppung der Schadorganismen verhindern, z. B. eine gründliche Reinigung der Landmaschinen.

In Kombination ermöglichen die verschiedenen Massnahmen eine deutliche und nachhaltige Verbesserung der Pflanzengesundheit, und so eine Reduktion der Ernteverluste. Die Forschenden von Agroscope stehen in engem Kontakt mit den Gemüseproduzierenden, um neue Erkenntnisse in die Praxis einbringen zu können und um Rückmeldungen aus der Landwirtschaft aufzunehmen.

Auch im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 68 «Ressource Boden» (2012 – 2018) beschäftigte sich ein Projektmodul Bodenbiologie mit Schadorganismen aus dem Boden, und was man dagegen tun kann.

Winzige Fadenwürmer (Nematoden) können als Nützlinge Schnecken kontrollieren. An der Universität Neuchâtel wurden Fadenwürmer zusammen mit einem Schnecken-Lockstoff in kleine Kapseln eingebettet. Wen Schnecken in Laborversuchen an diesen Kapseln frassen, wurden sie von den Nematoden befallen. In Laborversuchen konnten so 70% – 100% der Schnecken unschädlich gemacht werden.

An der ETH Zürich und der Universität Lausanne wurden natürlich vorkommende Wurzelbakterien untersucht. Diese können sowohl krankheitsauslösenden Pilzen als auch anderen Schadorganismen, wie z. B. Insekten, entgegenwirken. Ziel ist es, aus diesen Bakterien ein Produkt für die biologische Bekämpfung von Pflanzenschädlingen als Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln zu entwickeln.

Weitere Forschungsprojekte beschäftigten sich mit der Wechselwirkung zwischen Pilzen und Bakterien, um den Pflanzenbau positiv zu beeinflussen, und der wichtigen Rolle von Regenwürmern für die Bodenbiologie. Ein wichtiges Element des NFP 68 war der Austausch zwischen Forschenden, der Beratung und der praktischen Landwirtschaft.

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