Aktionsplan Pflanzenschutzmittel zur Diskussion gestellt

Am 5. Juli 2015 hat der Bund seinen Aktionsplan  zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in die Anhörung geschickt. Damit soll das Zusammenspiel zwischen dem Schutz der landwirtschaftlichen Kulturen, der Gesundheit und der Umwelt verbessert werden.

Der Bundesrat hatte die Behörden im Jahr 2014 beauftragt, den Aktionsplan auszuarbeiten. Experten aus Bund, Kantonen und Forschung hatten seither in vier Gruppen mit den Schwerpunkten Mensch, Wasser, Boden und  Kulturen intensiv daran gearbeitet. Dabei wurden zunächst mögliche Risiken in den verschiedenen Bereichen identifiziert, und anschliessend Ziele und mögliche Massnahmen definiert. Dabei wurden auch die Rückmeldungen von Praktikern aus den Bereichen Ackerbau, Obstbau und Weinbau berücksichtigt, an zwei grossen Workshops wurden die Meinungen breiterer betroffener Kreise eingeholt.

Der aktuelle Vorschlag umfasst 50 einzelne Massnahmen, mit denen bestehende Risiken in den verschiedenen Bereichen reduziert werden sollen. Das Risiko für Konsumenten aufgrund von Rückständen einzelner Pflanzenschutzmittel in Lebensmitteln oder Trinkwasser wurde als sehr gering eingestuft. Hier soll die Datenlage verbessert werden, um eine noch präzisere Beurteilung zu ermöglichen Verbesserungsmöglichkeiten gibt es beim Schutz von Anwendern, z. B. durch bessere Informationen. Mögliche Belastungen für die Umwelt sollen durch eine Reduktion des Eintrags reduziert werden. Verschiedene technische Massnahmen können z. B. die Abdrift von Wirkstoffen oder Verluste in die Umwelt beim Umfüllen oder Reinigen von Geräten reduzieren.

Gesunde und natürliche Lebensmittel aus der Schweiz

Gesunde und natürliche Lebensmittel aus der Schweiz – Pflanzenschutzmittel unterstützen die Landwirte bei der Produktion

Der Aktionsplan sieht vor, dass die Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln mit besonderem Risikopotential bis 2026 um 30% reduziert wird. Dies betrifft auch Wirkstoffe, die in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden. Der Austrag der übrigen Pflanzenschutzmittel auf Gebiete ausserhalb der behandelten Fläche, z. B. durch  Abdrift oder Abschwemmung, soll um 25% reduziert werden. Durch finanzielle Anreize, z. B. im Rahmen der Direktzahlungen, soll ein gezielterer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gefördert oder ein Verzicht auf bestimmte Anwendungen unterstützt werden.

Als flankierende Massnahmen sollen Aus- und Weiterbildung und Beratung der Anwender verbessert werden, z. B. durch eine Weiterbildungspflicht für die berufliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Die Forschung zur Entwicklung von Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz und zur Weiterentwicklung des Integrierten Pflanzenschutzes soll ausgebaut werden.

Die Behörden betonen, dass der Erfolg des Aktionsplans von vielen Faktoren abhängt, so auch von der Bereitschaft der Gesellschaft, die Mehraufwendungen der Landwirtschaft finanziell abzugelten, von der Bereitschaft des Handels, geringere Ansprüche an die Qualität zu stellen,  oder von der Bereitschaft der Landwirte vorbeugende Schutzmassnahmen anzuwenden.

Sowohl die Pflanzenschutzindustrie als auch die Landwirtschaft unterstützen Massnahmen, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sicher und nachhaltigerer machen, und sind bereit mit ihrem umfangreichen Erfahrungsschatz eine Umsetzung des Aktionsplans zu unterstützen.

Bis zum 28. Oktober 2016 haben interessierte Kreise die Gelegenheit, ihre Stellungnahme zum Entwurf des Aktionsplan abzugeben. Es ist sicher, dass einzelne der vorgeschlagenen Massnahmen noch überarbeitet oder angepasst werden müssen. Eine wichtige, noch weitgehend offene Frage ist, wie sich die vorgeschlagenen Massnahmen des Aktionsplans auf die Produktion von Nahrungsmitteln in der Schweiz auswirken. Konsumentinnen und Konsumenten schätzen Früchte, Gemüse und Getreide in hoher Qualität aus einheimischer Landwirtschaft – Einschränkungen der Produktivität im Inland würden zwangsläufig zu einem höheren Importanteil führen.

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