Agroscope: Pflanzenschutzforschung auch für den Gemüsebau

Herbizidversuche mit Zwiebeln (Agroscope Wädenswil, Sandhof). Auf Parzellen ohne geeigneten Pflanzenschutz werden die Nutzpflanzen vom Unkraut überwuchert.

Knackiges Gemüse ist appetitlich und gesund. Frassspuren von Insekten, oder Schäden durch Pflanzenkrankheiten würden den meisten Konsumenten jedoch den Appetit verderben. Ohne Pflanzenschutz bliebe die Ware wohl im Regal liegen.

Rüebli, Zwiebeln, Tomaten, Fenchel, Lauch, Salat… die Auswahl an Gemüsesorten ist gross, und bietet für jeden Geschmack etwas. Die Produktion von qualitativ hochwertigem Gemüse ist allerdings sehr anspruchsvoll: jede Sorte hat ihre ganz eigenen Anforderungen beim Anbau. Darüber hinaus schmecken die zarten Pflanzen nicht nur uns Menschen, eine Heerschar  von Schädlingen ist ebenso scharf darauf. Bakterien und Viren attackieren die Blätter und lassen sie erkranken, ausserdem werden die zarten Sprossen von Unkräutern bedrängt. Ohne Pflanzenschutz wäre es unmöglich, Gemüse von gleichbleibend hoher Qualität und ohne viel unverwertbaren Ausschuss zu produzieren.

Vorbeugende Massnahmen, wie die Auswahl krankheitsresistenter Sorten, die sorgfältige Einhaltung einer ausgedehnten Fruchtfolge, der Einsatz von gesundem Saat- und Pflanzgut und der Einsatz von Schutznetzen gegen Schädlinge leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Pflanzen gesund zu erhalten. In vielen Fällen ist aber auch der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel erforderlich. Dabei streben die Landwirte stets danach, diesen so niedrig wie möglich zu halten.

Die staatliche Forschungsanstalt Agroscope unterstützt die Schweizer Gemüsebranche durch intensive Beratung , die Entwicklung verbesserter Pflanzenschutz-Strategien und durch die regelmässige Kontrolle der Pflanzenschutzmittel am Markt. Im engen Kontakt mit den Bauern werden die aktuellen Anliegen und Probleme der Landwirtschaft aufgegriffen und Forschungs-Schwerpunkte definiert, das Motto der Gruppe Extension Gemüsebau von Agroscope lautet «Wissen schaffen für die Praxis». So werden Bekämpfungsmöglichkeiten für neu auftretende Schädlinge erkundet, verbesserte Verfahren für Spritzbehandlungen erkundet, und neu entwickelte Pflanzenschutzmittel in der Praxis geprüft. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz gewählt, bei dem sowohl chemische Pflanzenschutzmittel als auch biologische Verfahren, wie z. B. der Einsatz von Nützlingen oder die Verwendung von Mikroorganismen als Gegenspieler gegen Krankheitserreger im Boden, eingesetzt werden.

Vom Falschen Mehltau befallener Fenchelbestand – Totalausfall (Bild: Agroscope 2015)

Vom Falschen Mehltau befallener Fenchelbestand – Totalausfall (Bild: Agroscope 2015)

Besonders problematisch für den Gemüsebau ist es, wenn die Zulassung eines bisher erfolgreich eingesetzten Pflanzenschutzmittels ohne geeigneten Ersatz ausläuft, oder für neu auftretende Pflanzenkrankheiten noch keine geeigneten Pflanzenschutzmittel bewilligt sind. Oft lohnt es sich für die Pflanzenschutzmittel-Industrie nicht, das teure und aufwändige Zulassungsverfahren für eine nur auf kleinen Flächen angebaute Spezialkultur zu durchlaufen. Damit Landwirte hier nicht ohne Möglichkeiten dastehen, ihre Kulturen ausreichend zu schützen, hilft Agroscope dabei solche «Indikationslücken» zu schliessen, und die für eine Zulassung erforderlichen Daten zu Wirksamkeit und Umweltverträglichkeit der Substanzen zu erheben. Viele Gemüsearten könnten in der Schweiz ohne dieses Engagement gar nicht wirtschaftlich und in der gewünschten Qualität angebaut werden.

Am Mittwoch, den 2. September 2015, präsentierten die Forschenden von Agroscope am «Wädenswiler Gemüsebautag 2015» am Versuchsbetrieb Sandhof ihre Arbeiten dem Fachpublikum. Gemüseproduzenten, Gemüsebauberater und sonstige Interessierte erhielten an dem herrlich sonnigen Nachmittag direkt auf dem Versuchsfeld Einblick in eine Auswahl der laufenden Forschungsprojekte, und hatten Gelegenheit sich mit den Forschenden von Agroscope auszutauschen. Von diesem direkten Kontakt zwischen Forschung und Praxis profitieren beide Seiten – und auch die Konsumenten in der Schweiz, denen so ein breites Angebot gesunder und nachhaltig produzierter Gemüsearten aus lokalem Anbau zur Verfügung steht.

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