Walliser Sprühdrohne unterstützt nachhaltige Landwirtschaft

Eine AgroFly-Sprühdrohne im Einsatz (Photo: AgroFly SA)

Das Pilotprojekt Agrofly – der erste Sprühdrohne Europas – zeigt das Zukunftspotenzial der digitalen Landwirtschaft auf. Es ist ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit eines Startups mit der Pflanzenschutz-Industrie sowie mit Behördenvertretern zur Verbesserung des ressourceneffizienten und gezielten Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Das Projekt wurde Anfang Oktober 2017 auf einem Versuchsfeld von Syngenta in Dielsdorf vorgestellt. Die Markteinführung ist für 2018 geplant.

Wer hat’s erfunden? Am Anfang von Agrofly steht der Tüftler Frédéric Hemmeler aus Granges bei Sierre, der sich mit seiner Firma zunächst auf filmende Drohnen spezialisiert hatte. Der Walliser erkannte 2015 das Potenzial von Drohnen, die Pflanzenschutzmittel in steilen und unwegsamen Lagen zielgenau und dosiert versprühen können. Nach einem Jahr mit zahlreichen Experimenten kontaktierte er das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das bundeseigene Forschungszentrum Agroscope, welche ihn mit Wissenschaftlern des Pflanzenschutzmittelherstellers Syngenta in Kontakt brachten. Denn Syngenta ist derzeit die einzige Firma in der Schweiz, welche die Zielgenauigkeit von Pflanzenschutzbehandlungen wissenschaftlich testen kann. Und die Bundesbehörden suchen nach Wegen, um den umstrittenen Einsatz von Helikoptern in der Landwirtschaft einzuschränken.

Der Erfolg liess nicht auf sich warten: Im Februar 2017 erhielt Hemmeler die erforderliche „Bewilligung zum Sprühen von Flüssigkeiten mit einem unbemannten Luftfahrzeug“ vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und gründete zwei Monate später die Firma Agrofly. Er deponierte zwei Patente, erhielt eine Auszeichnung der Walliser Kantonalbank und ein Sponsoring von Syngenta für den Bau der ersten Drohne. Derzeit werden im laufenden Pilotprojekt die Genauigkeit der digitalisierten Steuerung und die Effizienz der Pflanzenschutzbehandlung von allen Partnern gemeinsam wissenschaftlich ausgewertet. Ziel ist unter anderem eine Optimierung der Spritzqualität und eine Reduktion des sogenannten Abdrifts, d.h. der ungewollten Verbreitung von Fungiziden über die betroffenen Kulturen hinaus, wie dies etwa bei Helikoptereinsätzen vorkommen kann. Die ferngesteuerte Drohne ermöglicht arbeitet präziser, weil sie im Tiefflug durch die Reben manövriert werden kann. Applikationsexperten von Syngenta arbeiten auf Wunsch des Bundes am Projekt mit und messen die Spritzqualität und den Abdrift.

Sprühdrohne über Weinreben (Photo: AgroFly SA)

Eine AgroFly-Sprühdrohne über Weinreben (Photo: AgroFly SA)

Das Projekt ist vielversprechend und zeigt exemplarisch, wie Pflanzenschutzmittel dank digitaler Unterstützung künftig effizient und umweltschonend ausgebracht werden können. Das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln mit Drohne gilt als zukunftsweisend, da dadurch Hanglagen (wie etwa Weinberge) oder Felder, die nach Niederschlägen mit schweren Traktoren nicht befahren werden können (wie etwa im Grossen Moos zwischen Bern und Fribourg), gezielt besprüht werden können. Schon jetzt arbeitet Agrofly an Computerprogrammen, die den Drohneneinsatz ohne Handsteuerung durch Piloten ermöglichen, was eine massive Kostensenkung zur Folge hätte. Bis zur Marktreife sind allerdings weitere Tests und Optimierungen nötig.

Drohne Agrofly SpUAV (Spraying Unmanned Aerial Vehicle):

  • 2 Meter Spannweite
  • Gewicht inkl. Ladung 40 kg, wovon 17 kg Nutzlast
  • Kosten ca. 50‘000 Franken inkl. Schulung und Unterhalt
  • erste für die Landwirtschaft einsetzbare Sprühdrohne Europas mit einer offiziellen Betriebsbewilligung in der Schweiz
  • weitere Staaten sind bereits in Bearbeitung

Weitere Informationen

Das könnte auch interessant sein...