2. Tagung zum «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln»

Die drei Massnahmenbereiche des Aktionsplans: Anwendung, spezifische Risiken und begleitende Instrumente

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soll künftig noch nachhaltiger erfolgen, Risiken sollen weiter reduziert werden. Mehr als 100 Expertinnen und Experten mit unterschiedlichem Hintergrund trafen sich am 14. November 2017 in Bern, um Massnahmen im Rahmen des Aktionsplans Pflanzenschutzmittel zu diskutieren.

Im September 2017 hatte der Schweizer Bundesrat den «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» verabschiedet, die Vorbereitungsarbeiten daran liefen bereits seit längerem. Bereits kurz nach dem offiziellen Startschuss gab eine Tagung in Bern die Gelegenheit, einen Überblick zu den zahlreichen Massnahmen, aber auch zu bereits vorliegenden Resultaten von laufenden Projekten, sowie wichtige Hintergrund-Informationen zum Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel für die Konsumentensicherheit zu erhalten. Dazu hatte das Bundesamt für Landwirtschaft Vertreter von über 80 Organisationen, aus der Landwirtschaft, Lebensmittel-Branche, Pflanzenschutz-Industrie, Politik und Verwaltung, bis zu Umwelt-Organisationen und Grossverteiler zu einer ganztägigen Veranstaltung eingeladen. Alle Präsentationen stehen im Internet zur Verfügung.

Jan Waespe, BLW-Projektleiter des Aktionsplans Pflanzenschutzmittel, gab einen Überblick zu den verschiedenen im Rahmen des Aktionsplans vorgesehenen Massnahmen und zu deren Umsetzung. Zentrale Ziele dabei sind der Schutz des Menschen, der Schutz der Umwelt sowie der Schutz der Kulturen. Andreas Keiser von der HAFL zeigte auf, dass sich der Herbizideinsatz beim Zuckerrüben-Anbau deutlich reduzieren lässt, wenn er durch eine mechanische Unkrautbekämpfung (Hacken) ergänzt wird. Allerdings steigen die Produktionskosten durch den höheren Arbeits- und Maschinenaufwand. Fabian Soltermann vom BAFU machte in seinem Vortrag deutlich, dass eine konsequente Förderung der guten fachlichen Praxis beim Pflanzenschutz einen wichtigen Beitrag auch für den Schutz der Gewässer vor ungewollten Einträgen bieten kann, sei es durch die Vermeidung von Verlusten auf dem Hof oder bei der Reinigung der Geräte (Punktquellen), als auch bei der Anwendung auf dem Feld (Reduktion von Abdrift und Abschwemmung).

Lisa Epars vom BLW stellte die neuen Ressourceneffizienz-Beiträge im Reb-, Obst-und Zuckerrübenanbau vor. Dabei können Landwirte Ausgleichs-Zahlungen erhalten, wenn sie den Einsatz von Herbiziden reduzieren oder ganz darauf verzichten. Dadurch sollen die zu erwartenden Mindereinnahmen oder der erhöhte Arbeitsaufwand einigermassen ausgeglichen werden. Urs Rentsch vom Schweizerischen Verband für Landtechnik SVLT, der für die vorgeschriebene regelmässige Überprüfung der Spritzgeräte der Landwirte verantwortlich ist, stellte ein Beratungsprojekt vor. Dabei sollen Landwirte bei der Spritzenprüfung für den fachgerechten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sensibilisiert und weitergebildet werden. Nadine Konz vom Amt für Umweltschutz und Energie Basel-Landschaft stellte das Ressourcenprojekt Leimental vor. In einem definierten Gebiet bei Binningen, das von 16 Landwirten bewirtschaftet wird, sollen durch ein Bündel von Massnahmen über sechs Jahre die Verluste von Pflanzenschutzmitteln, Nährstoffen und Boden reduziert werden. Dabei stehen Massnahmen zur Reduktion der Abschwemmung im Vordergrund.

Für den Schutz der Konsumenten, aber auch für den der Umwelt ist die Einhaltung von Rückstands-Vorschriften für Pflanzenschutzmittel auf und in Lebensmitteln wichtig. Marianne Balmer von Agroscope zeigte auf, wie Rückstandshöchstgehalte in Lebensmitteln festgelegt werden. Diese orientieren sich zunächst an den Rückständen, die bei Einhaltung einer guten landwirtschaftlichen Praxis erreicht werden können, und werden aufgrund umfangreicher, praktischer Feldversuche festgelegt. Die dabei erhaltenen Werte werden dann mit den Rückstandsmengen, die gesundheitlich als unbedenklich gelten, verglichen. Wie diese festgelegt werden zeige Emanuel Hänggi vom BLV. Durch Fütterungsversuche mit verschiedenen Tierarten wird die akute und die chronische Giftigkeit von Pflanzenschutzmitteln geprüft. Diejenige Dosis, die keine nachteiligen Auswirkungen auf die empfindlichste Tierart hat, wird noch um einen Sicherheitsfaktor von 100 reduziert, um die akzeptable Aufnahmemenge für den Menschen festzulegen.  Nur wenn der so ermittelte Rückstandswert unter den in Anbauversuchen festgelegten Rückstandshöchstgehalten liegt, werden diese Rückstandshöchstgehalte festgelegt. In den meisten Fällen liegen diese weit unter der Menge, deren Verzehr jeden Tag als unproblematisch eingestuft wird.

In den Pausen der Veranstaltung gab es ausführliche Gelegenheit für die Teilnehmer, sich untereinander auszutauschen. Die Tagung wurde durch eine Podiumsdiskussion abgerundet, bei der das Einkaufs-Verhalten der Konsumenten und dessen mögliche Auswirkung auf eine Reduktion der Pflanzenschutzmittel-Anwendungen im Mittelpunkt stand. Dabei zeigte sich, dass zwar viele Konsumenten möglichst geringe oder gar keine Rückstände in Lebensmitteln wünschen, aber kaum bereit sind, damit einhergehende Qualitätseinbussen zu akzeptieren. So stecken Landwirtschaft und Handel in einer Zwickmühle: selbst geringe optische Makel. die sich nicht auf die Qualität der Lebensmittel auswirken (z. B. Flecken aussen auf der Kartoffelschale) führen dazu, dass die Ware im Regal liegen bleibt. Auch neu gezüchtete, krankheitsresistente Sorten, die den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln reduzieren könnten, werden von vielen Konsumenten nicht akzeptiert, die sich weiterhin die wohlvertrauten herkömmlichen Sorten wünschen. Diese hohen Anforderungen setzen für die Landwirtschaft einen engen Spielraum, wenn es um eine Reduktion der Massnahmen zur Schädlings- oder Krankheitsbekämpfung bei den Pflanzen geht.

Unterlagen zur Tagung

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