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28. Juli 2026
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Ernährungssicherheit: Welche Folgen hätte einen Verzicht auf moderne Pflanzenschutzmittel?

In der Interpellation 26.3872 thematisiert NR Candinas die Zielkonflikte der Initiative für eine sichere Ernährung (Ernährungsinitiative), über welche die Schweiz am 27. September 2026 abstimmt. Die Initiative verfolgt gleichzeitig drei weitreichende Ziele: eine weitgehend pflanzliche Ernährung, einen Netto-Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent sowie einen weitgehenden Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.

Ernährungssicherheit

Der Vorstoss stellt die Frage, ob diese Ziele gleichzeitig erreicht werden können. Pflanzenschutzmittel leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkräutern. Fallen wirksame Pflanzenschutzlösungen weg, können Erträge sinken, Produktionsrisiken steigen und die Abhängigkeit von Importen zunehmen. Gleichzeitig besteht ein breiter Konsens, Biodiversität, Trinkwasserqualität und natürliche Ressourcen zu schützen. Die Interpellation verlangt deshalb eine sachliche Bewertung der agronomischen, wirtschaftlichen und versorgungspolitischen Folgen eines weitgehenden Verzichts auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.

Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:

  1. Wie haben sich die in der Schweiz verfügbaren Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe in den letzten 25 Jahren entwickelt, und wie viele Indikationslücken bestehen heute in wichtigen Kulturen (z.B. Gemüse, Obst, Kartoffeln, Getreide)?
  2. Wie hoch schätzt der Bundesrat das Ertragspotential von Anbausystemen wie Mischkulturen, agroforstwirtschaftliche Anbauformen oder regenerative Landwirtschaftspraxen im Vergleich zum heute praktizierten Anbausystem mit integriertem Pflanzenschutz und mineralischem Dünger? 
  3. Wie wirkt sich ein vollständiger Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nach Einschätzung des Bundesrats auf den Selbstversorgungsgrad und die Importabhängigkeit der Schweiz aus? Ist es realistisch, gleichzeitig den Pflanzenschutz stark einzuschränken und den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen? Wenn ja, mit welchen Kosten für den Staat?
  4. Welche Folgen erwartet der Bundesrat für die Landwirtschaft in Bezug auf die Ressourceneffizienz (= Ertrag eines bestimmten Produkts im Verhältnis zu den eingesetzten Ressourcen Kapital, Arbeit, Rohstoffe, Landflächen)?
  5. Welche Folgen erwartet der Bundesrat für die Konsumentinnen und Konsumenten, insbesondere bezüglich Lebensmittelpreise, beim Angebot an inländischem Obst und Gemüse und bei der Qualität, Haltbarkeit und Lebensmittelsicherheit (z.B. Mykotoxine)?