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Alternativer Pflanzenschutz im Acker- und Gemüsebau: Wo stehen wir?
Eine aktuelle Publikation von Agroscope gibt einen Überblick über präventive Massnahmen und nicht-chemische Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge im Acker- und Freilandgemüsebau.
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Krankheiten
Die wichtigsten präventiven Massnahmen sind gesundes Saatgut, robuste Sorten, ausgewogene Fruchtfolgen und eine gute Feldhygiene. Mit diesen Massnahmen kann der Einsatz von Fungiziden in vielen Ackerkulturen mit leichter Ertragsreduktion weitgehend vermieden werden. In Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse können präventive Massnahmen, insbesondere robuste Sorten, den Fungizideinsatz reduzieren. Ein vollständiger Verzicht ist heute aber oft nicht praktikabel.
Schädlinge
In vielen Ackerkulturen wie Getreide und Mais werden Schädlinge mit präventiven Massnahmen wie Fruchtfolge und Schonung von Nützlingen meistens ausreichend kontrolliert. Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse werden jedoch von Schädlingen mit einem hohen Schadpotenzial befallen. Einige Ansätze, wie die Fruchtfolge bei Zuckerrüben oder der Einsatz von Bacillus thuringiensis gegen Kartoffelkäfer, haben sich als wirksam erwiesen, Untersaaten im Raps zeigen ein Potenzial. Zu weiteren Massnahmen wird noch geforscht.
Qualitätsanforderungen und Lebensmittelpreise
Im Gemüsebau ist die Herausforderung wegen der hohen Qualitätsanforderungen des Marktes grösser als im Ackerbau. Mit Blick auf einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnte es sinnvoll sein, die privatrechtlich geregelten Qualitätsanforderungen bezüglich rein optischer und lebensmittelrechtlich unbedenklicher Aspekte zu hinterfragen, eventuell zu reduzieren und einen gewissen Schädlingsbesatz zu tolerieren. Zudem könnten die mit alternativen Pflanzenschutzmassnahmen verbundenen Zusatzaufwendungen und höheren Ertragsrisiken durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden, damit sie wirtschaftlich rentabel sind.
Fazit und Empfehlungen
Alternative Massnahmen gegen Unkräuter sind vorhanden, jedoch zeitaufwändiger und bei Problemunkräutern und ungünstigen Wetterbedingungen weniger wirksam.
In Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben ist ein vollständiger Verzicht auf Fungizide und/oder Insektizide heute schwierig. Ansätze für zusätzliche Massnahmen sind vorhanden. Diese sind jedoch oft mit einem reduzierten Wirkungsgrad und zusätzlichen Kosten verbunden.
Die hohen Qualitätsanforderungen für Freilandgemüse sind mit alternativen Massnahmen schwierig zu gewährleisten. Es könnte sinnvoll sein, die rein optischen Qualitätsanforderungen zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.
Alternative Pflanzenschutzmassnahmen sind oft aufwändiger und weniger wirkungsvoll. Damit sie wirtschaftlich rentabel sind, könnten die Zusatzkosten durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden.
Quelle
Wäspe J., Breitenmoser S., Bussereau F., de Werra P., Grabenweger G., Massana Codina J., Masson S., Musa T., Neuweiler R., Sauer C., Vogelgsang S., Boss M., Blom J. F.
Die Industriegruppe Agrar vereinigt Spezialistinnen und Spezialisten im Bereich Zulassung und Inverkehrbringung von Pflanzenschutzmitteln der Unternehmen BASF, Bayer, Leu+Gygax, Omya, Stähler Suisse und Syngenta. Die Gruppe setzt sich für innovative und umweltgerechte Lösungen im Bereich Pflanzenschutz ein.
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