Neue Studie bestätigt: Kein Glyphosat in Muttermilch nachweisbar

Stillen

Berichte über mögliche Spuren des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat in Muttermilch hatten im Sommer 2015 für Verunsicherung gesorgt. Eine vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Auftrag gegebene Studie hat jetzt bestätigt, dass in Muttermilch keine Rückstände von Glyphosat nachweisbar sind.

Das Stillen sichert die optimale Versorgung des Säuglings, und ist zugleich für Mutter und Kind eine wichtige Zeit inniger Zweisamkeit. Im Juni 2015 veröffentlichte die deutsche Partei «Bündnis 90 / Die Grünen» Resultate einer von ihr veranlasste Untersuchung, laut der in allen 16  Stichproben von Muttermilch aus verschiedenen Regionen Deutschlands Glyphosat nachgewiesen werden konnte. Dieses wurde mit einem möglichen Gesundheitsrisiko für Säuglinge in Zusammenhang gebracht, der Bericht wurde in manchen Medien als «sehr besorgniserregend» bezeichnet.

Auch in der Schweiz wurde diese Studie breit diskutiert. Viele Mütter stellten sich die Frage, ob sie weiterhin bedenkenlos ihre Säuglinge stillen konnten. Fachleute bezweifelten die Messergebnisse aufgrund methodischer Mängel von Anfang an, und wiesen darauf hin dass sie – selbst wenn sie stimmen würden – weit unterhalb einer möglicherweise gesundheitsschädlichen Menge liegen würden. In einer gemeinsamen Stellungnahme empfahlen die deutsche nationale Stillkommission und das BfR den Müttern, weiterhin zu stillen. Trotzdem blieben bei vielen Müttern Zweifel zurück.

Die in der «Bündnis 90 / Die Grünen»-Studie verwendete Messmethode für Glyphosat ist viel zu ungenau, um verlässliche Angaben zu erzielen, und wurde entgegen den Anweisungen des Herstellers für einen Messbereich weit unterhalb seiner Nachweisgrenze verwendet. Um nachvollziehbare und abgesicherte Ergebnisse zu erzielen, beauftragte das BfR europaweit renommierte Forschungslabore, zwei auf unterschiedlichen Messmethoden basierende Analyseverfahren mit hoher Nachweis-Empfindlichkeit auszuarbeiten. Die unabhängigen Labore verfügen über langjährige Erfahrungen in der Anwendung der derzeit empfindlichsten analytischen Nachweismethoden für Pflanzenschutzmittelrückstände. Die neu entwickelten Verfahren können noch ein Milliardstel Gramm Glyphosat pro Milliliter Muttermilch aufspüren (1 ng/ml), und sind damit zehnmal empfindlicher als die üblicherweise zur Analyse von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln angewendeten Verfahren.

In 114 Muttermilchproben aus den deutschen Bundesländern Niedersachsen und Bayern konnten mit den beiden neuen Verfahren keine Spuren von Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze gefunden werden. Dies entsprach auch der Erwartung der Experten, da bei Glyphosat aufgrund seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften kein Übergang in die Muttermilch zu erwarten war. Die detaillierten Ergebnisse der Studie wurden vor wenigen Tagen in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Das BfR schliesst aus diesen Ergebnissen, dass Mütter sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen sollten.

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