High-Tech gegen den Maiszünsler

Multikopter unterstützen die biologische Schädlingsbekämpfung (Bild: Regina Burger, fenaco UFA-Samen Nützlinge)

Die biologische Schädlingsbekämpfung des Maiszünslers ist in der Schweiz erfolgreich, war aber bisher immer mit viel Handarbeit verbunden. Moderne High-Tech Multikopter erledigen jetzt in Minuten, was früher Stunden dauerte.

Der Maiszünsler ist eine Falterart, deren Raupen Maisstängel von innen aushöhlen und so die Pflanzen zum Umknicken bringen können. Auch an den Kolben können die Raupen Frassspuren hinterlassen, die zu Qualitätseinbussen führen und Einfallsort für gesundheitsschädliche Pilzinfektionen werden. In Anbauregionen mit hohem Maisanteil kann der Maiszünsler ohne Gegenmassnahmen zu deutlichen Ernteeinbussen führen. Die in der Schweiz praktizierte regelmässige Fruchtfolge bremst die Entwicklung des Schädlings, ausserdem kann das Überwintern der Larven durch Häckseln und Unterpflügen der Maisstoppeln erschwert werden. Trotzdem breitet sich der Maiszünsler weiter aus und muss in der Schweiz vielerorts bekämpft werden.

Trichogramma bei der_Eiablage_in Maiszünsler-Eier

Eine Trichogramma-Schlupfwespe bei der Eiablage in ein Maiszünsler-Gelege (Bild: Regina Burger, fenaco UFA-Samen Nützlinge)

Insektizid-Behandlungen gegen den Maiszünsler sind in der Schweiz streng reglementiert. Als Alternative wird bereits seit über drei Jahrzehnten biologischer Pflanzenschutz mit Hilfe von Nützlingen praktiziert. Dabei kommt die Trichogramma-Schlupfwespe zum Einsatz. Diese winzigen, weniger als einen Millimeter grossen Insekten legen ihre eigenen Eier in die Ei-Gelege des Maiszünslers ab. Die sich entwickelnden Schlupfwespen-Larven fressen die Zünsler-Eier von innen vollständig auf. Nach wenigen Tagen schlüpfen dann aus den zerstörten Schädlingseiern neue Trichogramma-Schlupfwespen, die sogenannten Feldgenerationen, und sind sofort bereit weitere Zünslereier zu attackieren.

Damit ein Maisfeld gegen eine Ausbreitung des Maiszünslers durch Nützlinge geschützt ist, muss der Landwirt nachhelfen und Trichogramma-Schlupfwespen gleichmässig auf dem Feld verteilen, da diese selber nicht weit fliegen können. Dazu musste man bisher durch den Maisbestand laufen und von Hand kleine Kartonrahmen mit gezüchteten Trichogramma-Eiern in regelmässigen Abstanden an die Maispflanzen hängen – gerade bei grossen Feldern eine mühsame Arbeit, die etwa 20 Minuten pro Hektar dauert.

Multikopter über Maisfeld

Ein Multikopter bei der Arbeit: Trichogramma-Optikugeln werden über einem Maisfeld abgeworfen (Bild: Regina Burger, fenaco UFA-Samen Nützlinge)

Seit 2013 steht eine High-Tech Alternative zur Verfügung, welche Landwirten viel Arbeit sparen kann: die Verteilung der Trichogramma-Schlupfwespeneier mittels Multikopter. Diese kleinen, ferngesteuerten Helikopter-Drohnen mit mehreren Rotoren können in einem Vorratsbehälter kleine Kugeln aus Maisstärke («Optikugeln») mitführen, in deren Inneren je etwa 1000 Trichogramma-Eier auf ihren Einsatz warten. Nach Programmierung des Multikopters mit den exakten GPS-Daten des Maisfelds kann das Fluggerät in Windeseile das Feld abfliegen und die Trichogramma-Kugeln in gleichmässigen Abständen abwerfen. Das dauert nur etwa 3 – 4 Minuten pro Hektare, und ist so wesentlich schneller als die Verteilung von Hand.

In der Praxis können Landwirte ihre Maisfelder schon im Frühjahr bei Ihrer LANDI oder bei UFA-Samen Nützlinge für eine Trichogramma-Behandlung aus der Luft anmelden. Der Flugzeitpunkt der Maiszünsler-Falter und die beginnende Eiablage werden mittels Fallen, die in der ganzen Schweiz aufgestellt sind, erhoben. Die Maisentwicklung selber ist für den Trichogramma-Einsatz unerheblich. Ausschlaggebend ist das Vorhandensein abgelegter Schädlings-Eier, die von den Trichogramma-Schlupfwespen aktiv auf dem Feld gesucht werden. Zum optimalen Zeitpunkt erledigen erfahrene Multikopter-Piloten dann die Arbeit, das Verteilen der Trichogramma-Optikugeln, in kürzester Zeit,. Dabei können die Multikopter auch bei mässigem Regen und Wind fliegen.

So können Maisfelder mit einer Kombination von biologischer Schädlingsbekämpfung und High-Tech Multikopter-Ausbringung sicher gegen den Maiszünsler geschützt und Ernteschäden vermieden werden. In der Schweiz ist das System seit einigen Jahren im Einsatz und wird mittlerweile auf ca. 1000 Hektaren eingesetzt. Auch im Ausland stösst die Verteilung von Trichogramma per Multikopter auf grosses Interesse. So werden in Deutschland bereits 8’000 bis 10’000 Hektaren mit dem in der Schweiz entwickelten System behandelt.

Der Kugelblitz-Multikopter im Einsatz (Video: Walter Berger, Die Tüftelberger – www.tueftelberger.ch)

Auch viele weitere Anwendungen in der Landwirtschaft könnten Multikopter in Zukunft routinemässig unterstützen: bereits jetzt wurden sie versuchsweise in der Schweiz für die Ortung von Rehkitzen in Feldern vor deren Bearbeitung eingesetzt. Luftaufnahmen von Feldern Felder mittels hochspezifischer Sensoren können eine gezieltere Anwendung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln ermöglichen, und auch deren Ausbringung könnte durch Multikopter viel schneller und effizienter als mit herkömmlichen Feldspritzen erfolgen. Für die nachhaltigere Präzisions-Landwirtschaft der Zukunft werden Multikopter oder andere Drohnen eine wesentliche Rolle spielen.

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