Glyphosat: keine Belege für schädliche Gesundheitsauswirkungen in der Praxis

Im Frühjahr 2015 sorgte eine Meldung für Verunsicherung, in der das Pflanzenschutzmittel Glyphosat als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft wurde. Fachleute halten diese Aussage jedoch für wenig praxisrelevant.

Glyphosat ist ein seit über vier Jahrzehnten in vielen Ländern verwendeter Herbizid-Wirkstoff. Es ist das weltweit und auch in der Schweiz am meisten eingesetzte Pflanzenschutzmittel , und dient in der Landwirtschaft, aber auch in Gärten und auf Verkehrswegen (z. B. Bahntrassees) dazu, das Wachstum von Unkräutern zu unterdrücken. Glyphosat-haltige Herbizide ermöglichen Landwirten eine einfache, flexible und kosteneffektive Art der Unkrautbeseitigung. In der Schweiz sind etwa 120 Glyphosat-haltige Produkte vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW zugelassen. Anwender schätzen die gute Wirksamkeit. Im Vergleich zu anderen Herbiziden hat Glyphosat ein günstiges Profil bei den Umweltauswirkungen, es ist rasch abbaubar und kaum toxisch. Behörden auf der ganzen Welt haben Glyphosat zugelassen, und überprüfen regelmässig ob es neue Hinweise auf mögliche nachteilige Gesundheitsauswirkungen gibt. Auch internationale Organisationen, wie das gemeinsame Expertenkommitte von WHO und FAO zur Bewertung von Pflanzenschutzmitteln (JMPR), kamen zum Schluss dass für Glyphosat auch in Langzeitstudien an Versuchstieren mit sehr hohen Dosen keine Hinweise für eine Krebsauslösung vorlagen.

Für verbreitetes Erstaunen sorgte daher die bereits im Frühjahr 2015 angekündigte und Ende Juni 2015 vollständig veröffentlichte Beurteilung von Glyphosat durch eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO, die den Wirkstoff auf eine «wahrscheinlich für den Menschen krebserzeugend » -Liste aufnahm. Das IARC-Gremium fand dabei aufgrund einiger weniger Studien einen theoretisch möglichen Zusammenhang zwischen Krebsentstehung und Glyphosat, berücksichtigte aber nicht ob unter realistischen Bedingungen die Wahrscheinlichkeit für ein erhöhtes Risiko besteht. Eigene Forschungsarbeiten wurden vom IARC nicht durchgeführt. Das Gefährdungspotential von Glyphosat in der Praxis wurde nicht untersucht, diese Einstufung und eine Risikobeurteilung soll später durch andere Behörden erfolgen. Die IARC stuft nach seinen Kriterien übrigens auch Holz-Cheminees, die Abluft beim Braten, den Genuss von alkoholischen Getränken oder heissem Mate-Tee, sowie Schichtarbeit als «wahrscheinlich für den Menschen krebserzeugend» ein.

Die IARC-Einstufung stiess bei Fachleuten auf Kritik, da sie zu einer unnötigen Verunsicherung der Bevölkerung führen könnte. Bemängelt wurde eine sehr einseitige Auswahl der Studien. Auch wurden zahlreiche Untersuchungen aus der Praxis nicht berücksichtigt, so z. B. eine Arbeitssicherheits-Studie aus den USA, bei der bei über 50’000 Glyphosat-Anwendern in der Landwirtschaft kein Hinweis auf eine Krebsauslösung gefunden wurde.

Im Rahmen der EU Überprüfung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen hat das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR kürzlich die Grundlagen für eine Neubewertung des gesundheitlichen Risikos von Glyphosat erstellt. Dabei wurden neben den bereits bei der ersten Wirkstoffprüfung eingeflossenen Dokumenten über 1000 neue wissenschaftliche Untersuchungen berücksichtigt. Dabei ergaben sich keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei Versuchstieren. Auch sieht das BfR keinen Anlass, die gesundheitlichen Grenzwerte bei der Exposition mit Glyphosat wesentlich zu verändern. Die IARC-Einstufung können die BfR-Experten nicht nachvollziehen, und werden sich nach Veröffentlichung der IARC-Datengrundlagen gründlich damit auseinandersetzen.

Auch die Schweizer Behörden Bundesamt für Landwirtschaft BLW und Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV betrachten Rückstände von Glyphosat aus der Anwendung als Pflanzenschutzmittel weiterhin als gesundheitlich unbedenklich für die Bevölkerung, und werden die weitere Entwicklung und die Diskussion in den internationalen Behörden eng verfolgen.

Dass man mit Chemikalien, wie z. B. Pflanzenschutzmitteln, sorgfältig umgeht, ist selbstverständlich. Die neue IARC-Bewertung für Glyphosat sollte aber nicht beunruhigen, da sie keinen Beleg für ein mögliches Risiko für Anwender von Glyphosat unter Praxisbedingungen enthält und es auch aus dem jahrzehntelangen Einsatz als meistverwendetes Pflanzenschutzmittel keine Hinweise hierfür gibt.

 

Weitere Informationen:

Das könnte auch interessant sein...