Glyphosat: EU verlängert Zulassung um fünf Jahre

Unkrautbekämpfung auf dem Acker

Kurz vor Ablauf der EU-Zulassung für den weltweit wichtigsten Pflanzenschutz-Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung konnte eine Einigung erzielt werden. 18 der 28 EU Mitgliedsstaaten stimmten für eine fünf-jährige Verlängerung der Zulassung für Glyphosat.

Die Europäische Kommission hatte zunächst eine Verlängerung der Bewilligung um zehn Jahre vorgeschlagen, fand dafür aber in den zuständigen Experten-Gremien der Mitgliedsstaaten keine Unterstützung. Auch eine fünf- oder dreijährige Verlängerung wurde zunächst verworfen. Erst in der Sitzung des hochrangig besetzten Berufungsausschusses vom 27.11.2017 konnte eine Verlängerungs-Entscheidung um fünf Jahre mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden.

Das politische Tauziehen ging auf eine umstrittene Einstufung von Glyphosat durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) im Jahr 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» zurück. Dem gegenüber hatten die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, das «Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues» (JMPR), die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) sowie zahlreiche nationale Behörden die Sicherheit von Glyphosat wiederholt bestätigt. Im November 2017 wurden die Resultate einer umfangreichen Gesundheits-Studie an über 50’000 Landwirten in den USA veröffentlicht, von denen ein Grossteil regelmässig und über einen langen Zeitraum Glyphosat verwendet hatte. Dabei zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen Glyphosat-Anwendung und Krebs-Entstehung.

Sowohl europäische Landwirtschafts-Organisationen als auch Hersteller von Pflanzenschutzmitteln zeigten sich enttäuscht über die nur fünf-jährige Verlängerung. Normalerweise erfolgen Zulassungen für Pflanzenschutzmittel in der EU für 15 Jahre. Für Glyphosat wurde ohne tragbare wissenschaftliche Begründung rein auf politischen Druck hin von diesem Grundsatz abgesehen. Für die Schweiz hat der Entscheid in Brüssel keine unmittelbaren Konsequenzen, die Behörden berücksichtigen bei ihren Zulassungs-Entscheidungen jedoch internationale Entwicklungen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV und das Bundesamt für Landwirtschaft BLW stufen Glyphosat nicht als krebserregend ein.

Da Glyphosat in der Landwirtschaft verbreitet eingesetzt wird, lassen sich mit hochempfindlichen Messmethoden auch in Lebensmitteln geringe Spuren davon nachweisen. Laut den ersten Resultaten einer gross angelegten Messkampagne des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV finden sich in etwa 40% der untersuchten Lebensmittel Glyphosat-Spuren. Diese werden allerdings als vernachlässigbar und gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Laut BLV müsste man von dem Produkt mit dem höchsten gefundenen Glyphosat-Gehalt, einer Pasta-Sorte, täglich 71 kg konsumieren, um den für die Gesundheit unbedenklichen Bereich zu verlassen.

Die Anwendungs-Vorschriften für Glyphosat in der Schweizer Landwirtschaft sind strenger als im Ausland. So ist hierzulande eine Anwendung kurz vor der Ernte nicht gestattet. Dementsprechend scheint auch der Glyphosat-Gehalt in Lebensmitteln aus Schweizer Anbau niedriger zu liegen als bei manchen Import-Produkten, wie eine (allerdings nicht repräsentative) Untersuchung des Waadtländer Landwirtschaftsverbands Prométerre zeigt. Bei allen Produkten aus dem Schweizer Getreide- und Ölsaatenanbau konnte in dieser Studie kein Glyphosat nachgewiesen werden.

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