Neues Merkblatt: Reduktion der Drift und Abschwemmung von Pflanzenschutzmitteln

Anfang 2018 hatte das Bundesamt für Landwirtschaft BLW im Rahmen des «Aktionsplans Pflanzenschutzmittel» strengere Auflagen für Substanzen erlassen, deren Eintrag in Gewässer problematisch ist. Für den Acker- und Feldgemüsebau liegt nun ein Merkblatt von Agridea vor, dass die Massnahmen genauer umschreibt und Landwirte bei deren Umsetzung unterstützt.

Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln können diese unter ungünstigen Umständen auch in Gewässer gelangen, und dort empfindliche Lebewesen beeinträchtigen. Durch verschiedene Massnahmen kann der Eintrag durch Abdrift durch Wind bei Spritzanwendungen oder durch Abschwemmung durch Niederschläge von der Oberfläche minimiert werden. Da sich die am besten geeigneten Massnahmen von Parzelle zu Parzelle unterscheiden, hat das BLW ein flexibles System zur Risikoreduktion eingeführt. Dieses erlaubt es den Landwirten, aus einem ganzen Katalog möglicher Massnahmen diejenigen auszuwählen, die für sie mit vertretbarem Aufwand die beste Wirkung versprechen.

Die Unterblattspritztechnik reduziert Abdrift und ermöglicht so eine gezieltere Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (Photo: TOPPS, ww.topps-life.org)

So wird für Pflanzenschutzmittel mit hohem Risiko für Gewässer-Lebewesen durch Abdrift beim Einsatz ein Minimalabstand von bis zu 100 m zum nächsten Gewässer vorgeschrieben. Bei Anwendung geeigneter Abdrift-reduzierender Massnahmen, z. B. die Verwendung spezieller Spritzdüsen, die eine gezielteres Ausbringen ermöglichen, kann dieser Abstand reduziert werden. Hierbei gilt ein Punktesystem, bei dem auch verschiedene Massnahmen kombiniert werden können: je mehr Punkte erreicht werden, desto niedriger muss der Minimalabstand sein.

Auch für die Vermeidung von Abschwemmung von Pflanzenschutz-Wirkstoffen aus Hanglagen in nahe gelegene Gewässer werden Massnahmen gefordert, sofern der Abstand der Parzelle vom Gewässer weniger als 100 m beträgt. So kann ein bewachsener Pufferstreifen angelegt werden, die Parzelle kann terrassiert werden, oder der Anteil der behandelten Fläche kann reduziert werden (Bandspritzung). Auch hier gibt es ein Punktesystem, das Kombinationen von Massnahmen ermöglicht.

Die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea hat jetzt in Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope und dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW ein Merkblatt veröffentlicht, das die Landwirte dabei unterstützt für ihre jeweilige Feldsituation die geeignetsten Massnahmen auszuwählen, um so die Weisungen des BLW einzuhalten. Die einzelnen Massnahmen werden dabei detailliert auch mit Bildern und Grafiken vorgestellt, und Tipps aus der Praxis zeigen auf, wie die geforderte Risikoreduktion mit wenig Aufwand für den Landwirt erreicht werden kann. Die konsequente Umsetzung dieser Massnahmen wird eine weitere Reduktion der unerwünschten Einträge von Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässer ermöglichen, und unterstützt damit ein wichtiges Ziel des «Aktionsplans Pflanzenschutzmittel».

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